Entnazifizierung: „Vielleicht war man zu großzügig“

Entnazifizierung: „Vielleicht war man zu großzügig“

42:57 Min.
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Entnazifizierung: „Vielleicht war man zu großzügig“

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Noch am 4. Mai 1945, dem Tag des Einmarsches US-amerikanischer Truppen in Salzburg, nahm die Salzburger Eisenbahnergewerkschaft nicht nur den Wiederaufbau in Angriff, sondern auch die Entnazifizierung der Bahn. Karl Steinocher (1920–2013), Mitarbeiter der ÖBB, Gewerkschafter und Sozialdemokrat, übte dabei eine zentrale Funktion aus. Er beschreibt in diesem Beitrag die Vorgehensweise beim Entnazifizierungsprozess innerhalb der Salzburger Eisenbahn und die sich dabei ergebenden Probleme und Widersprüche. In seiner Eigenschaft als Mitglied der Salzburger SPÖ spricht Steinocher auch über die Entnazifizierung innerhalb der Sozialdemokratie und die paradoxe Situation, in der sich die Partei nach 1945 wiederfand: Obwohl im Austrofaschismus und in der Zeit des Nationalsozialismus verboten und politisch verfolgt, machte sie sich durch das Überlaufen einiger ihrer Anhänger zur NSDAP auch als Mittäterin im NS-Regime schuldig. Steinochers Resümee in Bezug auf den Entnazifizierungsprozess speziell innerhalb der SPÖ fällt rückblickend äußerst kritisch aus.

Anmerkung der Redaktion:
Der von Karl Steinocher verwendete Begriff „Rotnazi“ bezeichnet Sozialdemokraten, die in der Zwischenkriegszeit bzw. nach dem „Anschluss“ Österreichs an das „Dritte Reich“ zur NSDAP übergelaufen sind. „Grün-weißer Faschismus“ wiederum bezieht sich auf die bürgerlich-konservative Heimwehr, ein bewaffneter, paramilitärischer Kampfbund, der in der Zwischenkriegszeit das Pendant zum sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbund bildete. Der Begriff leitet sich von den grün-weißen Wimpeln der Heimwehren ab.

Sendung: Brennpunkt: Verdrängte Schuld
Gestaltung: Andreas Novak