Die Muttergottes und ihre Erscheinungen

Die Muttergottes und ihre Erscheinungen

52:38 Min.
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Die Muttergottes und ihre Erscheinungen

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Millionen Menschen besuchen jedes Jahr Marienorte wie Lourdes oder Medjugorje. „kreuz und quer" versucht, dem Phänomen Marienfrömmigkeit auf den Grund zu gehen.

Ein Raunen geht durch die Menge, die weißgekleidete Frau nimmt einen tiefen Atemzug, wendet die Augen zum Himmel und fällt in Erstarrung: Mirjana Soldo hat eine „Marienerscheinung“. Die 46-jährige Seherin war eines jener sechs Kinder, denen 1981 in Medjugorje auf einem Hügel hinter dem Dorf zum ersten Mal die Muttergottes erschienen sein soll. Eine weiße Gestalt hätten sie gesehen, so erzählen sie heute, und diese bald als die heilige Maria, die „Gospa“, erkannt.



Von da an boomte der Marientourismus in Medjugorje, mittlerweile kommt jedes Jahr eine Million Pilger in die ehemals bettelarme Region. Und so ist auch Mirjana Soldo bei ihrer monatlichen Zwiesprache mit der Muttergottes immer von Tausenden Pilgern umringt. Nach 15 Minuten erwacht sie aus ihrer Trance, Tränen rinnen über ihre Wangen, erschöpft sinkt sie zurück. Ein Assistent verliest die Botschaft des Tages - die „Gospa“ mahnt ihre Kinder, sich zu Gott zu bekennen. Viele der Anwesenden knien seit Stunden auf dem steinigen Boden des „Erscheinungsbergs“ in der Hitze.



Dass man in Medjugorje auf diese Weise „Zeuge einer Erscheinung“ werden kann, unterscheidet diesen Wallfahrtsort von anderen wie Fatima oder Lourdes. Dieser Umstand ist gleichzeitig Gegenstand einer kirchenpolitischen Diskussion: Medjugorje ist bis heute von der offiziellen Kirche nicht anerkannt, die dortigen Vorkommnisse werden nicht als „übernatürlich“ eingestuft. Einer der Gründe dafür ist, dass die Seher immer noch von laufenden Erscheinungen berichten, bis zu 40.000 Mal soll die Gottesmutter seit den 1980er Jahren zu ihnen gesprochen haben. Die internationalen Pilger kümmert die Haltung der offiziellen Kirche nicht, für sie ist das aktive Glaubensleben in Medjugorje der Hauptanziehungspunkt.



Auch Lourdes, ein kleiner Ort in Südfrankreich, wird jährlich von sechs Millionen Pilgern besucht, darunter befinden sich viele Kranke und Hilfesuchende, denn hier soll es eine heilende Quelle geben. Die Marienerscheinungen von Lourdes fanden 1858 statt und läuteten das „Marianische Jahrhundert“ ein, eine Zeit, in der die Marienfrömmigkeit besonders stark war. Was fasziniert so viele Menschen bis heute an der Muttergottes? Wie stehen Kirche und Theologie zur Marienverehrung?



Der Film begleitet zwei Reisegruppen nach Lourdes und Medjugorje und versucht, dem Phänomen Marienfrömmigkeit auf den Grund zu gehen. Experten wie Wolfgang Beinert, Józef Niewiadomski, Peter Trummer und Monika Prettenthaler erklären, warum die Heilige Maria für viele Katholiken bis heute eine so herausragende Stellung einnimmt. Gespräche mit begeisterten Marienverehrern zeigen, dass es offenbar ein starkes Bedürfnis nach einem emotionalen Erleben im Glauben gibt, das in der aktuellen Kirchenpraxis möglicherweise zu kurz kommt.



Ein Film von Thomas Grusch und Elisabeth Krimbacher



Mehr dazu:
- Sendungsprofil "kreuz und quer"
- Lexikon (religion.ORF.at): Heiligenverehrung